Ameisen – nützlich oder schädlich?

Nun sind sie wieder überall anzutreffen, an den möglichsten und leider auch unmöglichsten Orten, die Ameisen. Achtsam bewege ich mich durch meinen Hof+ Garten, sei dies auf dem Halbrasen oder auf den Gartenwegen, um wenn immer möglich keine Ameisenburgen zu zerstören und auf keine der Ameisenstrassen zu trampeln.

Noch nicht vor allzu langer Zeit haben diese kleinen Viecher auch einen Weg in meine Küche gefunden, die kleinsten Ritzen dazu genügen. Gemäss meinen Erfahrungen und Beobachtungen braucht es dazu sehr feuchte Tage und Wochen, wie es heuer in Genüge der Fall ist. Anfänglich waren es nur sehr wenige, die über Umwege durch das Esszimmer direkt auf die Küche zusteuerten, und plötzlich, über Nacht, haben sie den Weg in den Vorratskasten gefunden …. Oh Schreck, was nun ? Ausräumen, durchsuchen, putzen mit Essig. Ich griff zu diesem altbewährten Hausmittel. Überall stellte ich Essigschälchen auf, am Boden, im Kasten, im Esszimmer, welch ein Duft, die meisten unserer festen und temporären Hausbewohner rümpften die Nase ob des starken Duftes. Es brauchte viel Geduld bis sich die Ameisen endlich durch diesen starkriechenden Essig aus meiner Küche und gleich aus dem Hause vertrieben liessen, aber meine Geduld wurde schliesslich belohnt (obwohl ich zu den eher Ungeduldigen gehöre) …. So wie sie plötzlich ungebeten auftauchten, waren sie auch wieder verschwunden, wohin auch immer ….. welch ein Glück, dass ich sie ohne chemische Mittel vertreiben konnte, denn Mittel dazu gäbe es ja zahlreiche auf dem Markt.

Und so fragte ich mich ob die Ameisen wohl eher schädlich als nützlich sind? Was meinen Sie ? Klar, in der Küche will niemand Ameisen, auch ich nicht, aber im Garten ? Nach Meinung vieler Wissenschaftler spielen die Ameisen eine Schlüsselrolle in unseren Ökosystemen, denn sie sind an Kreisläufen beteiligt, ohne diese die natürlichen Netzwerke zusammenbrächen. Die Ameisen leisten viel: Einige Arten zersetzen Totholz und bilden somit Humus, der für Böden und Pflanzen wichtig ist. Dann fressen sie allerlei Insekten und tote Tiere, ernähren sich auch von Früchten, Pflanzensäften und Samen und regulieren zudem Bestände von Schädlingen. Spechten zum Beispiel und auch Wildschweinen dienen sie als Beute über ihre Larven. Dann werden viele Samen durch Ameisen verbreitet. Mancherorts sind Ameisen sogar noch wichtiger wie Regenwürmer, denn diese sorgen für das Vermischen, Belüften und Verkitten der Bodenkrume. Würden Ameisen aus unserem Ökosystem vollständig entfernt werden, bräche dieses zusammen. Veränderungen für alle Teile des Systems wären die Folge. In der Schweiz soll es übrigens 132 heimische Ameisenarten geben, wovon 46 gefährdet sind (gemäss Zoologe Hans-Martin Bürki-Spycher).

Daher ist es äusserst wichtig, den Lebensraum der Ameisen wenn immer möglich zu schützen und zu fördern. Für mich als leidenschaftliche Gärtnerin sind die Ameisen zu verschmerzen. Nicht dass ich mich mit ihnen jetzt unbedingt anfreunden würde, nein, dazu haben sie mich schon zu oft angepinkelt (sie verspritzen Ameisensäure), aber sie zu beobachten bringt manchmal wirklich Erstaunliches zu Tage:

Ich bewundere ungläubig, wie Ameisen tote oder auch lebendige Insekten herumschleppen, die um ein x-Faches grösser und schwerer sind wie sie selbst. Ich beobachte Ameisenbahnen entlang von Pflanzenstängeln wie z.B. der Kornblume oder der Süssdole. Dort holen sie, beim genauen betrachten und dies mit einem Vergrösserungsglas, den Honigtau von Schild- und Blattläusen. Ameisen halten also sozusagen Blattläuse als «Nutzvieh», denn sie melken deren süsse Ausscheidung und beschützen sie dafür vor Feinden wie zum Beispiel dem Marienkäfer. Und manchmal werden solche Blattläuse mitunter sogar auf Pflanzen in Nestnähe umgesiedelt.

Ameisen zerstören kein Holz, und übertragen auch keine Krankheiten. Sie knabbern weder Blüten, Blätter noch Wurzeln an. Trotzdem können sie im Garten indirekt Schaden anrichten, indem sie beispielsweise durch fleissiges Graben die Wurzeln von Pflanzen freilegen. Dies haben sie bei mir zum Beispiel bei Johannisbeersträuchern und Kletterrosen schon getan. Dagegen hilft regelmässiges Giessen. Auch kann ein umgekehrter Tontopf neben den «angestochenen» Ameisenhaufen gelegt werden, und schon verziehen sich die Ameisen unter diesen Topf. Und diese Töpfe sind an einigen Orten bei mir zu finden und sehen erst noch dekorativ aus.

Es kann auch vorkommen, dass Ameisen zu Hunderten einen Baum aufsuchen, wie bei uns. Dieser nimmt aber keinen Schaden, denn sie haben lediglich pflanzensaftsaugende Insekten entdeckt.

Als Gärtnerin finde ich, dass ein paar Dinge über diese grossartigen Winzlinge wissenswert sind. Über deren Fähigkeiten und hochkomplexes Zusammenleben müsste ich allerdings Seiten füllen und das überlasse ich doch lieber den Spezialisten. Sind die Ameisen nun nützlich oder schädlich ? Wenn diese eine Schlüsselrolle in unserem Ökosystem einnehmen, dann müssen sie nützlich sein und daher lohnt es sich für mich, achtsam durch meinen Hof+ Garten zu gehen und ihnen, den Ameisen, ihren wohlverdienten Platz einzuräumen.

2 Kommentare
  1. Thomas Schmid
    Thomas Schmid sagte:

    Vielen Dank für diese Ausführungen, echt spannend – habe viel gelernt, ja und in meinem Garten wird es wohl künftig auch den einen oder anderen umgekippten Topf haben :-)

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  2. Hans
    Hans sagte:

    Eines der faszinierndsden Lebewesen,habe schon unendlich viel Zeit beim beobachten dieser Helden in der Natur verbracht.Sammle Zuhause die Brotkrumen und staune wie schnell sie von den Ameisen 🐜 weggetragen werden .Sehrwarscheinlich verzehrt???

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