Bäume und Wald

Und dann kommt noch einer meiner Lieblingsbäume dazu, vier an der Zahl. Dieser Baum hatte einst unglaublich viele ehrenvolle Aufgaben und wohl auch Verpflichtungen, an ihn wurden hohe Erwartungen gestellt. Er sollte Glück und Gerechtigkeit überbringen, er sollte Liebende beflügeln. Der Baum oder ein Blatt davon waren in früheren Zeiten ein Zeichen für Frieden, Treue und Gerechtigkeit und das Symbol des freien Standes der Grundbesitzer und Viehzüchter. Vielerorts wurden ihm daher die schönsten und zentralsten Plätze gegeben. Und, wie ist das heute? Auch wir gaben ihm einen besonderen Platz, drei dieser Bäume säumen unsere Einfahrt. Dieser eine Baum belohnt uns alle mit einem absolut bezaubernden Duft. Er belohnt auch die Insekten tausendfach, die sich darin tummeln und viele Gedichte wurden über ihn schon geschrieben. Wenn ich innerhalb ein paar weniger Tage die Ernte der Blüten einbringen muss, bin ich stets von neuem beglückt. Stunden verbringe ich auf der Leiter und ich fühle mich diesem einen Baum einfach nahe, eine ganz besondere Kraft und Energie strömt er für mich aus. Und wenn ich dann die Blüten im Estrich trockne, dieser betörende Duft… Mit etwas Glück entdecke ich sogar während dem Pflücken einen Lindenschwärmer, das sind recht dicke, lange grüne Raupen mit einem Dorn, es sind Prachtsexemplare. Die Falter erblicke ich nachts rund um unseren Hof. Haben auch Sie einen Lieblingsbaum?

Bäume, viele Bäume, wachsen auch in unserer Christbaumplantage gleich angrenzend an unseren Hof. Unsere Nordmänner, die Rottannen und Blaufichten sowie ein paar Exotische befinden sich darunter, und sie fühlen sich einigermassen wohl bei uns. Vor zwei Wochen pflanzten wir 650 Jungbäume die in etwa 7-10 Jahren als Christbäume geschlagen werden können. Geduldig warten wir also auf unseren Lohn für den vielen Schweiss.

Alle diese Bäume bieten auch unserer Vogelschar rund um den Hof verborgene und sichere Nistplätze. Sie dienen auch als Ansitze für die Jagd nach Essbarem, denn fündig werden sie alleweil.

Zu unserem Bauernhof gehören auch ein paar Hektaren Wald. Über die Wintermonate verbringt mein Mann Bernhard gerne seine Zeit als „Forstwart“ in unserem Wald, um die nötigen Arbeiten darin zu verrichten. Aber leider wurde seine Freude getrübt, denn der Borkenkäfer wütete auch bei uns. Und so mussten reihenweise Bäume mit schwerem Geschütz gefällt werden, es war schrecklich, dies alles mitansehen zu müssen, es war zum Heulen. Und da kommt mir die Redensart «Bäume wachsen nicht in den Himmel» in den Sinn, was bedeutet, dass wir bei allem Erfolg wieder an unsere Grenzen erinnert werden.

Trotz dieses Teilkahlschlages, oder genau deswegen, ist wer hätte dies gedacht, etwas Neues für uns im Wald entstanden… als ich kurz vor Weihnachten, als wir sonntags wieder einmal im gerodeten Wald herumstiegen, mit diesem Vorschlag kam, machte mein Mann nicht gerade Freudensprünge… Aber so beharrlich ich sein kann, ich konnte ihn überzeugen. Wir haben eine einfache Corona Feuerstelle geschaffen, und was für eine. Zurzeit gibt es für mich nichts Friedlicheres, als am Wochenende gegen Abend, mit Rucksack und wärmenden Fellen an unsere Feuerstelle zu pilgern (zuerst kurz mit dem Auto und dann kurz zu Fuss), ein riesiges Feuer anzufachen, Würste am Stecken zu bräteln, einen feinen Wein zu entkorken und einfach zu geniessen, bis die Nacht hereinbricht. Je dunkler es wird, desto lauter wird das Zwitschern der Vögel, und plötzlich, wie auf Kommando, ist es still. Ob einer dieser Vögel wohl der „big boss“ ist, frage ich mich? Die Vögel haben uns, wohl eher mich, mit ihrem Abendgesang aufs Schönste beseeligt und nun ist nur noch das Knistern des Feuers inmitten unseres Waldes zu hören, in einer Lichtung, die es vorher nicht gab. Die ersten Sterne sind bereits auszumachen, etwas später beginnt der Halbmond zu leuchten und gibt märchenhafte Schattenspiele ab. Wie viele Stunden und Abende wir schon an unserer Feuerstelle verbrachten, wir alleine, mit Familie oder Freunden, ich kann es längstens nicht mehr zählen. Und alle sind sie begeistert, die mit uns rund um das wärmende Feuer sitzen, über Gott und die Welt sprechen, und zwischendurch immer wieder dem Waldkäuzchen lauschen. In diesen Momenten bin ich dem Himmel so nah… ich spüre einfach einen tiefen inneren Frieden…

Und schon freue ich mich wieder auf das nächste Mal auf dieses besondere und gemeinsame Erlebnis mit meinem Mann. Nur mein Wunsch, einmal im Wald an unserer Feuerstelle zu übernachten, dieser eine Wunsch geht ihm dann doch zu weit… da nützt auch meine Beharrlichkeit nichts… da muss ich wohl Vito, meinen Freund aus der Stadt (früherer Blog) darum bitten, sobald er etwas älter ist…

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.