Die Ferkel im Fokus! Sibe chliini jungi Söili…

….lige näbenang im Höi, aui düe grunze, aui düe schmatze u anang am Rügge chratze.

Inspieriert durch die Kinderlieder unseres dreijährigen Sohnes. Wie passend zu unserem Blogbeitrag über die junge wilde Ferkelbande in unserem Stall. Aktuell haben wir 98 kleine Ferkel im Stall. Wie schon im letzen Beitrag geschrieben, hatten wir in diesem Umtrieb leider viele Totgeburten zu beklagen. Es könnten rund 20 Ferkel mehr sein. Aber weniger Ferkel in einem Umtrieb zu haben ist nicht nur negativ. Ihr erfahrt mehr darüber wie wichtig die ersten Lebensstunden sind, auf was wir bei der Fütterung achten und welche spezielle Begebenheit wir bei diesen Ferkeln erleben dürfen.

Die kleinen Ferkel haben es geschafft, sie liegen unter der Wärmelampe oder kriechen ins vorgewärmte, mit Stroh eingestreute Ferkelnest. Es gibt aber auch einige von ihnen die tappsen etwas verloren in der Bucht umher. Hier greifen wir ein und legen das Ferkel zurück zu seinen Geschwistern. Denn diese Erkundungstour birgt mehr Risiken, als es das kleine Wesen erahnen kann. Die Ferkel kommen mit einer sehr dünnen Unterhautfettschicht zur Welt. Wenn unser kleines Schweinchen nun zu lange von der wärmenden Lampe oder der Körperwärme seiner Geschwister weg ist, beginnt es zu frieren. Sein Körper benötigt viel Energie um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Das Ferkel wird schwach. Ein schwaches Ferkel ist viel anfälliger krank zu werden. Das zweite noch grössere Risiko ist es, so brutal es klingen mag, von der Sau erdrückt zu werden. Denn wie es bei uns Menschen rücksichtsvolle, vorsichtige oder eben unvorsichtige Charaktere gibt, so auch bei den Schweinen. Die einen schuppsen ihre jungen vorsichtig vom Boden auf, legen sich langsam zur Seite und achten so, sehr auf ihre kleinen Ferkel. Dann gibt es leider auch die unvorsichtigen Sauen. Sie legen sich sehr schnell auf die Seite, so dass es für ein Ferkel kaum eine Chance gibt davon zu rennen.

Unser oberstes Ziel: Das Risiko der Frühsterblichkeit senken

Die Risikofaktoren für die Frühsterblichkeit der Ferkel möglichst gering zu halten, ist eine unserer Hauptaufgabe für die vier bis fünf Wochen in denen wir die Schweine und ihre Ferkel im Stall betreuen. Bereits beim Bau der Buchten wurde an der Seitenwand ein Bügel fixiert. Dieser soll verhindern, dass die Sau sich ganz an der Wand zur Seite legen kann. So haben die Ferkel eine kleine Ausweichsmöglichkeit, um nicht von einer unvorsichtigen Sau erdrückt zu werden.

Die Ferkelnester müssen immer auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden, damit die Ferkel warm haben, denn die Infrarotlampe belassen wir etwa drei Tage. Danach liegen die kleinen nur noch im beheizten Ferkelnest. Damit die Ferkel genügend Abwehrstoffe entwickeln können, ist vor allem die Aufnahme der Erstmilch, des sogenannten Kolostrums, von hoher Bedeutung. Sie ist sehr Nährstoffreich und enthält viele Immunglobuline, so erhält das Ferkel schon von Beginn an wichtige Antikörper und wertvolle Energie. Und hier kommt wieder die Gesundheit der Muttersau zum tragen, denn nur wenn Sie fit ist kann ihr Körper ausreichend Milch produzieren. Genau in diesem Punkt kann ein kleinerer Wurf Vorteile haben. Weniger Ferkel pro Sau heisst auch, dass die Ferkel öfter zum Saugen an eine Zitze können und mehr Kolostrum aufnehmen. Eine Zuchtsau hat heute übrigens meistens 16 Zitzen und kann bis zu 20 Ferkel werfen.

Um die Immunisierung und die Darmgesundheit der Ferkel zu fördern, bekommen die kleinen kurz nach der Geburt eine Ferkelpaste zur Unterstützung des Immunsystemst (Enthält Milchsäurebakterien, Immunglobuline und Vitamine). Ab dem 3. Lebenstag erhalten die Ferkel Eisen in den Muskel. Eisen ist wichtig für den Sauerstofftransport im Blut des Ferkels und somit für einen gut funktionierenden Stoffwechsel. Um die Darmgesundheit zusätzlich zu unterstützen geben wir wenig Apfelessig über die Wühlerde.

Denn bevor die Ferkel mit Fressen beginnen, wühlen sie mit ihrem Rüssel gerne in dieser Erde. Nach und nach geben wir ihnen etwas mehr Futter über diese Wühlerde, bis sie nach und nach aus ihren Futterautomaten zu fressen beginnen. Dies nennt man Anfütterung. Genau für diese Zeit ist nun die Darmgesundheit wichtig. Denn nur ein gesunder Darm kann die vom Futter gelieferten Nährstoffe optimal aufnehmen und ist wiederstandsfähig gegen Keime aus der Umgebung. Das letzte grosse Risiko Ferkel zu verlieren ist der Frühdurchfall, meist von Bakterien verursacht. Dies ist für uns zum Glück selten geworden, aber falls es so ist gibt es leider nur eine Möglichkeit, die Antibiotikagabe.

 

Wachsen und Gedeien

Die anfänglich kleinen, zerbrechlichen Ferkelchen sind zu fidelen, neugierigen und wilden Ferkeln geworden. Alle männlichen Ferkel kastrieren wir vor ihrem 10. Lebenstag in einer kurzen Vollnarkose. Nach dem 14. Lebenstag bekommen sie ihre Ohrenmarke und eine Schutzimpfungen gegen das Circovirus und das Bakterium Lawsonia intercellularis, welches einen starken wässrigen Durchfall verursacht. Alle Medikamente die wir bei den Sauen und bei den Ferkeln einsetzen, müssen wir im Medikamentenjournal, bei uns das Programm von SuisSano vermerken.

Nun ist für uns die Zeit gekommen etwas durchzuatmen, denn die kritische Zeit für die Ferkel ist vorbei. Von nun an können wir uns über gesunde und vitale Tiere freuen und ihnen beim wachsen zu sehen. Übrigens, in diesen Würfen gibt es diesmal etwas spezielles zu sehen. Wir erfreuen uns über zweifarbige und dreifarbige Schweinchen. Bis vor wenigen Jahren in der Zucht nicht mehr erlaubt, gibt es immer häufiger diesen schönen Anblick zu sehen.  Bis die Ferkel vier bis fünf Wochen alt sind, bleiben sie bei den Sauen. Die Ferkel fressen immer mehr und die Sauen, deren Körper in den letzen Wochen Höchstleitungen erbracht haben, dürfen sich erholen. Ihre Futterration wird langsam zurückgefahren, da der Körper die Milchproduktion einstellen muss. Denn der Umzug steht an.

Stallwechsel

Nebst der Zeit des Werfens der zweite zeitaufwändige Teil in unserer Produktion. Unser Zyklus in der AFP (Erklärung im letzen Blogbeitrag) ist ziemlich getaktet. Der Stall, in den die kleinen Ferkel nun umziehen werden ist jeweils seit Freitag leer. Er wurde gewaschen, desinfiziert und neu eingestreut. Am kommenden Mittwoch werden die Zuchtsauen abgeholt und die Ferkel in den Jagerstall umgesiedelt. Dieser Stall befindet sich praktischerweise im gleichen Gebäude gleich neben an. So trotteln, rennen oder irren die kleinen Ferkel praktisch selbständig in ihr neues Zuhause auf Zeit. Ein neuer Lebensabschnitt für die Jager und für uns wieder einmal mehr Zeit, den Blick zu schärfen. Aber mehr dazu im nächsten Artikel.

Es ist Eile geboten. Der Abferkelstall wird gründlich gereinigt, getrocknet und danach desinfiziert. Schon in zwei Tagen kommen wieder neun Zuchtsauen zu uns auf den Betrieb.

Nun wünschen wir Euch einen guten Start ins 2021. Vorallem Gesundheit für Mensch und Tier. Für uns, nicht nur im Moment, das wichtigste im Leben.

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