Ein Tag im Leben von Familie Schärer

Mein Alltag wird durch den Stundenplan unserer Jungs bestimmt und dementsprechend habe ich mir meine Arbeiten eingeteilt. Ich bin ausgebildete Sekundarlehrerin und unterrichte zurzeit ca. 40%, während die Jungs im Kindergarten sind. Ich unterrichte das Fach DaZ (Deutsch als Zweitsprache). Meine Schülerinnen und Schüler kommen aus der ganzen Welt. Diese Vielfalt fasziniert mich und macht meinen Beruf sehr abwechslungsreich und spannend. Je älter unsere Zwillinge werden, umso grösser wird wahrscheinlich auch meine Anstellung an der Schule sein. Nebst dem Unterrichten bin ich zu Hause für die Buchhaltung zuständig. Alle administrativen Aufgaben liegen in meiner Verantwortung und somit bin ich diejenige, die über die Finanzen wacht. ;-)

In meiner Freizeit bin ich sehr gerne kreativ und darum habe ich mich während meiner Babypause vor 6 Jahren dazu entschlossen, mein Hobby zum Beruf zu machen und bin seitdem selbständige GONIS Beraterin. GONIS ist ein Direktvertrieb von Bastelprodukten, die auf sogenannten Partys bei meinen Kundinnen zu Hause stattfinden. Der rege Austausch mit Gleichgesinnten macht mir unheimlich Spass und ich habe grosse Freude, wenn ich „meinen Frauen“ neue Bastelideen zeigen und ihnen somit ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Dieses Jahr haben Corona-bedingt praktisch keine Live-Partys stattgefunden und darum habe ich meine Vorführungen online via WhatsApp abgehalten. Ganz nach dem Motto: Es gibt immer einen Weg und man soll offen für Neues sein!

Letztes Jahr habe ich auch den Weg zu unseren Landfrauen gefunden und dieses Jahr sogar denjenigen in den Vorstand. Ich bin zwar noch nicht offiziell gewählt, habe mich aber dennoch schon mit einigen Ideen eingebracht. Eine davon war, unsere Landfrauen in den sozialen Medien bekannt zu machen und habe darum je eine Seite auf Facebook und Instagram lanciert. Frau soll ja mit der Zeit gehen. ;-)

Unser Hof ist nicht hypermodern, aber dennoch so eingerichtet, dass viele Arbeiten automatisiert sind und es weniger Aufwand für den Menschen gibt. Meine Schwiegereltern sind beide erst kürzlich pensioniert worden und helfen auf dem Hof, wo sie können. Vor allem mein Schwiegervater ist täglich im Stall anzutreffen. Ich hingegen bin dadurch eher selten im Stall und werde nur gebraucht, wenn Not am Mann oder eben an der Frau ist. Dies trifft meist dann zu, wenn Saisonarbeiten wie Heuen oder Silieren anstehen. Dann bin ich im Wechsel mit meiner Schwiegermutter auf dem Heukran und fülle entweder den Heustock oder unsere Grassilotürme. Ich bin sehr gerne auf dem Heukran, weil es eine erfüllende Arbeit ist. Man sieht am Abend, was man geleistet hat und ist stolz darauf, dass man wieder Futterreserven für die nächsten Monate geschaffen hat. Das ist der grosse Unterschied zum Schulalltag, denn da sieht man meist erst nach drei Jahren ein Resultat, wenn die Schülerinnen und Schüler eine Anschlusslösung gefunden haben und flügge werden. Die Arbeiten auf dem Hof sind streng, aber erfüllend, denn man ist sein eigener Chef und arbeitet gern fürs eigene Viehwohl. Die Rückmeldung kommt postwendend; wenn man etwas falsch gemacht hat, muss man den Fehler meist übers Portemonnaie wieder gerade biegen. Beispiel: Man verschätzt sich mit der Wetterlage, hat frisch gemäht und das Heu sollte 3 bis 4 Tage am Boden trocknen können. Ist man gezwungen es früher reinzuholen, ist es noch feucht und muss mit zusätzlicher Belüftung getrocknet werden. Die Belüftungsanlage läuft mit Strom und dieser kostet, die Sonne hingegen wäre kostenlos. In der Landwirtschaft ist Vieles eine Frage des richtigen Timings und „Gspüri“. Mein Mann hat diesbezüglich die richtigen Antennen und liegt mit seinem Gespür selten daneben. Auch hat er über die Jahre eine gewisse Routine entwickelt und weiss, worauf er achten muss. Ich nutze gleich mal die Gelegenheit, seinen typischen Alltag zu beschreiben.

Dani steht täglich, auch am Wochenende, um 5.00h auf. Unser Stall ist nur wenige Schritte vom Haus entfernt, sodass er nach einer kleinen Stärkung bereits kurze Zeit später an der Arbeit ist. Hier fällt die typische Stallarbeit für 40 Milchkühe an. Als erstes wird frisches Futter in Form von Heu, Grassilage, Mais, Rübenschnitzel, Kraftfutter und Mineralstoffe vorgelegt. Anschliessend wird gemolken und Kälber getränkt. Dies dauert ca. bis gegen 7.30h. Anschliessend gibt es die zweite Stärkung für den Bauern. Seit der Pensionierung diesen Sommer hilft Danis Vater ebenfalls bei diesen Arbeiten. In der warmen Jahreszeit ist unsere Herde über Nacht auf der Weide. Dann müssen die Kühe als erstes in den vorbereiteten Stall genommen werden, was meistens kein Problem ist, denn die Tiere haben ein hervorragendes Zeitgefühl, so dass sie sich meistens schon in Stallnähe aufhalten.

Nach der Stärkung geht es gegen 8.00h weiter. Im Winter mit Stallarbeit, wie Auslauf der Kühe (RAUS = regelmässiger Auslauf der Tiere im Freien), Futter vorbereiten, Laufhof misten, Streue erneuern, evtl. Klauenpflege etc., was meistens bis ca. 10.00h dauert. Anschliessend gibt’s häufig eine Kaffeepause, bevor sonstige anfallende Arbeiten getätigt werden. Um 16.00h geht es wieder mit der abendlichen Stallarbeit weiter, wobei zuerst Futter vorgelegt und anschliessend gegen 16.45h gemolken wird. Wir sind mit 16.00h eher früh im Stall. Danis Motto ist: „Ich arbeite gerne, aber ich habe auch gerne mal Feierabend und geniesse die Zeit mit meiner Familie.“ Wenn‘s rund läuft, hat er gegen 18.30h Feierabend.

Im Sommer gibt es nach dem Frühstück immer einen Kontrollgang durch den Stall und anschliessend werden saisonbedingte Arbeiten ausgeführt. Abends geht es mit der Stallarbeit ebenfalls gegen 16.00h los. Nach dem Melken gehen die Kühe auf die nahegelegene Nachtweide. Danach wird der Stall so vorbereitet, dass am Morgen wieder alles bereit ist und sogleich gemolken werden kann. Je nach Arbeit kann es sein, dass es nach der Stallarbeit gleich weitergeht (heuen, silieren, etc.) Ganz nach dem Motto, es geht so lange, wie es geht!

Nebenbei engagiert sich Dani in verschiedenen Organisationen als Vorstandsmitglied oder als Verwaltungsrat, z.B. in der Landi, bei den Thurgauer Milchproduzenten oder der GLIB (Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe). Somit ist er auch ab und an mit solchen „Büro-Sachen“ beschäftigt und unterwegs. Der Vorteil von solchen Mandaten ist, er bekommt viele Informationen aus erster Hand und vor allem kann er mitreden und versuchen, etwas zu bewegen.

Trotz viel Arbeit (durchschnittlich 3000h/Jahr) gönnt sich Dani mit seiner Familie immer mal wieder eine Auszeit und geniesst das Nichtstun.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern eine schöne Adventszeit, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleiben Sie gesund!

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