Kampf der Unkräuter oder eher der Beikräuter?

Welch ein Sommer, so viel Regen wie seit Jahren nicht mehr. Für den Gärtner, die Gärtnerin bedeutet dies viel Arbeit mit Jäten, denn schliesslich gedeihen ja nicht nur unsere Nutzpflanzen, Blumen, Hochstauden, Sträucher, Bäume in voller Fülle, nein, das unliebsame Unkraut wächst eben auch mit, und wie ……

Als Unkraut bezeichnet man Pflanzen der spontanen „Begleitvegetation“ in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotential des Bodens, über Wurzelausläufer oder durch die Flugsamen zur Entwicklung und Verbreitung kommen.

Der naturnahe Gärtner, die naturnahe Gärtnerin, so wie ich eine bin, hat jedoch eine differenziertere Sichtweise auf die Unkräuter, die sie nicht ausschließlich als Schadpflanzen, sondern auch als wesentlichen Bestandteil des Ökosystems sehen. Daher wird, auch bei mir, der doch negative Begriff Unkraut eher abgelehnt und die neutrale Bezeichnung Beikraut bevorzugt.

Einer der wohl nervigsten Un- respektive Beikräuter ist bei mir der Löwenzahn. Die Schirmchen in der Luft sind zwar sehr hübsch anzusehen, aber eben, durch diesen Flug vermehren sich diese sehr stark und überall in meinem Natur- und Paradiesgarten. Es reicht nicht, ihn einfach abzuhacken. Die Pfahlwurzel muss mit einem entsprechenden Unkrautstecher entfernt werden, was doch ziemlich mühsam ist. Haben Sie gewusst, dass der Nektarwert dieser Pflanze hoch ist ? 37 Falterarten fliegen dieses Kraut an. Auch für Erstlinge unter den Faltern wie der Kleine Fuchs, das Landkärtchen, der Zitronenfalter und verschiedene Weisslinge ist es eine interessante und ergiebige Pflanze, auch wegen seines frühen Blühtermines. Bienen und andere Hautflügler besuchen diese Pflanze ebenfalls gerne.

Auch die gewöhnliche Zaunwinde ist in meinem Garten zu finden. Ich rege mich schon gar nicht mehr darüber auf, und ich lasse ihr sogar bewusst zwei Ecken im Garten, halte sie aber trotzdem in Schach. Die Sprossachsen können bis 3 m lang werden und winden sich an allem hoch, was sie berühren. Die auffällig schöne und bis zu 7 cm lange Trichterkrone ist reinweiss. Diese Nachtfalterblume schliesst sich bei schlechtem Wetter. Der Nektarwert ist gut. Für acht Falterarten ist dieses Beikraut besonders bedeutsam. Sie ist auch die Raupenfutterpflanze des Windenschwärmers. Nur dieser, aus Nordafrika einwandernde Nachtschwärmer, kann das tief im Kroneninnere geborgene Nektarangebot mit seinem über 10 cm langen Rüssel erreichen. Und wissen Sie was ? Dieser Schwärmer ist auch in meinem Natur- und Paradiesgarten anzutreffen, ein Prachtsexemplar.

Auch die besonders dekorative und schutzwürdige Distel, die von vielen als Unkraut behandelt wird, toleriere ich in meinem Natur- und Paradiesgarten. Im ersten Jahr entwickelt sich diese und bildet Blattrosetten, welche übrigens noch gut auszustechen sind. Im zweiten Jahr dann entwickelt sie eine Blütenschaft und stirbt dann nach der Fruchtreife ab. Die anmutenden glänzenden Wollbüschel der Flugsamen sammle ich rechtzeitig ein, damit ich die Vermehrung kontrollieren kann. Die Distel kann bis 150 cm hoch werden. Der Nektarwert ist hoch und für mindestens ein halbes Dutzend Falterarten besonders wichtig. Es ist auch eine gelegentliche Futterpflanze für den Distelfalter.

Der Schachtelhalm gehört zu denjenigen Un- oder Beikräutern, die in meinem humusarmen Kräutergarten allzu prächtig gedeihen. Früher wurde diese Pflanze, die übrigens auch Zinnkraut benannt wird, zum Putzen von Zinngeräten benutzt. Nebst Zinnkraut wird sie auch Zinngras, Katzenwedel, Katzenschwanz, Pferdeschwanz, Schaftheu, Pfannenbutzer und Scheuerkraut genannt. Die Wurzeln reichen oft bis zu zwei Meter in die Tiefe und sind daher eine echte Herausforderung. Darum ist das Bekämpfen eher schwierig. Der Ackerschachtelhalm ist dennoch eine nützliche und eine wertvolle Heilpflanze. Das Kraut eignet sich für Tee, Umschläge, Spülungen und Bäder. Die Inhaltsstoffe sind aber nicht nur für Menschen gesund. Ackerschachtelhalm dient als Jauche oder Sud auch der Pflanzengesundheit, denn die in der Pflanze enthaltene Kieselsäure stärkt das Blattgewebe und macht es widerstandsfähiger gegen Pilze und saugende Insekten. Gerne schneide ich den Schachtelhalm auch in Blumensträusse.

Ich könnte natürlich noch ein paar weitere Un- respektive Beikräuter aufzählen, welche in meinem Garten anderen Pflanzen versuchen, die Schau zu stehlen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Kampf der Unkräuter oder eher der Beikräuter ? Nein, ich bekämpfe bewusst nicht jedes vermeintliche Unkraut in meinem Hof+ Garten, denn es kann in der Tat ein wertvolles Beikraut sein. Mein Paradiesgarten wäre um einiges ärmer, würde ich alles bekämpfen wollen. Ich bestaune lieber und geniesse mit Freude und auch etwas Stolz all diese Insekten, die zu Besuch verweilen und ich bin mir sicher, dass sie mir für dieses Stück Natur dankbar sind.

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