Mütterchen Frost

«Bringt der August viel Gewitter, wird der Winter kalt und bitter …..»

«Wenn im September die Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen …..»

Noch aber blühen in meinem Natur- und Paradiesgarten verschiedene Blumen: Eisenkraut, Primeli, Margriten, Gänseblümchen, Fuchsien, Flocken-, Glocken-, Witwen- und Ringelblumen, Kapuzinerli, Ananas- und Muskatellersalbei, Rosen, Nachtkerzen, Nachtviolen und wohl einige mehr. Und noch immer brummen an sonnigen Tagen Insekten herum, vielleicht, weil sie noch ein Nahrungsangebot vorfinden ? Aber das wird sich hoffentlich bald ändern, denn «ist der Winter warm, wird der Bauer arm ……»

Von Bauernregeln kann man halten was man will, aber überspitzt ausgedrückt ist manchmal tatsächlich etwas dran, denn Temperaturen unter Null helfen den Boden lockerer zu machen und eine Schneedecke hilft, die darunter liegenden Kulturen, auch meinen Natur- und Paradiesgarten, zu schützen.

Die Auswirkungen auf den Boden bei frostigen Temperaturen sind einfach zu erklären: Wenn Frost in den Boden eindringt, dann gefriert die Feuchtigkeit darin. Eis hat ein grösseres Volumen als Wasser, und somit werden die Erdklumpen auseinandergesprengt und der Boden wird fein krumeliger, und vorher verdichtete Stellen werden durchlässiger.

Pflanzen legen in der kalten Jahreszeit eine Winterruhe ein. Die Natur hat dafür gesorgt, dass viele mit einem Schutzmechanismus ausgestattet sind. Sie stellen sozusagen ihren Stoffwechsel um. Über die Blätter verdunstet Wasser. Um sich in der kalten, trockenen Jahreszeit vor Wasserverlust zu schützen, dichten verholzte Pflanzen wie Bäume und Sträucher die Verbindungen zu den Blattstielen ab. Die Blätter vertrocknen und fallen herunter. Zwiebelgewächse dagegen ziehen sich in die Erde zurück. Gräser und Stauden verdorren oberirdisch und überwintern geschützt im Boden. Nur wintergrüne Pflanzen kennen einen Trick, um nicht zu erfrieren: Sie lagern meist Zucker wie Frostschutzmittel in ihre Zellen ein, um den Gefrierpunkt zu senken.

Gleichzeitig hilft aber auch Schnee, einen harten Winter zu überstehen. Eine Schneedecke hat eine isolierende Wirkung, was man gut mit einer warmen Bettdecke vergleichen kann. Die Schneeschicht verhindert, dass die Wärme aus tieferen Erdschichten nach oben gelangt. Unter der Schneedecke können daher viele Pflanzen einen kalten Winter gut überstehen, wie bei mir zum Beispiel Ananassalbei, Zitronenthymian, Fuchsien, Rosmarin. Da bei uns aber Schnee eher selten geworden ist, decke ich diese Pflanzen mit Deckreisig ab und zwar bediene ich mich mit unseren Nordmännern aus der eigenen Christbaumplantage.

Die meisten Insekten überwintern in Form von Eiern, Larven oder Puppen; einige überstehen den Winter auch als erwachsene Tiere in Erdhöhlen, Mauerritzen oder anderen Verstecken.

Schaden durch den tiefen Winter nehmen dagegen Schädlinge wie zum Beispiel die Blattläuse. Sie legen im Herbst ihre Eier, die frosthart sind. Danach sterben die ausgewachsenen Blattläuse zum grössten Teil. Von den Überlebenden werden wiederum die Meisten erfrieren, denn gegen den Frost sind sie nicht gewappnet.

Schmetterlinge sterben meist im Herbst, nur ihre Puppen, Raupen oder Eier kommen durch den Winter. Einige Arten überwintern als Schmetterling, zum Beispiel der Zitronenfalter, der ungeschützt an Zweigen hängt, was ich schon bestaunen und mir nicht erklären konnte, ob da nun Hilfe angesagt sei oder nicht, was ich zum Glück unterliess.

Ameisen ziehen sich in ihr Nest zurück, wenn es kälter wird. Sie beschränken ihre Aktivität auf ein Minimum und fallen letztendlich bei sehr niedrigen Temperaturen in die Winterstarre. Nein, sie halten dabei keinen Winterschlaf, was ich fälschlicherweise immer dachte. Wenn im Herbst die Tage kürzer und die Nächte länger werden, machen sie sich auf in ihr Winternest. Dafür krabbeln sie zum Teil weit mehr als einen Meter tief unter die Erde und verschliessen alle Gänge.

Unter Laubhaufen, Holzstapeln oder an Hauswänden finden manchmal bis zu 100 Marienkäfer zusammen, auch sie verfügen über ein körpereigenes Frostschutzmittel. Mit Einbruch der Kälte fallen sie in Winterstarre und kühlen aus.

In meinen Kletterpflanzen wie Hopfen, Klematis, Efeu entdecke ich immer wieder überwinternde Insekten, Raupen und Larven. In meinen Kompost-, Ast-, Laub- und Steinhaufen, im Totholz, verkriechen sich die überwinternden Kröten und der Igel, wohl auch Ringelnattern und weitere Insekten und Kleintiere. Im Gartenteich überwintern Libellenlarven und die Vögel können sich dort baden und den Durst stillen, was ich immer wieder beobachten kann.

Am präsentesten über die Wintermonate sind bei uns die Standvögel wie Spatzen, Rotkelchen, Meisen, Finken, Amseln, Elstern, Raben, Falken, auch einen Zaunkönig habe ich wieder gesichtet. An den beerentragenden einheimischen Sträuchern, an den abgeblühten Samenständen der Kräuter und Hochstauden, am Fallobst, finden sie genügend Nahrung und zufüttern muss ich daher selten.

Und darum ist es äusserst wichtig, all diesen Insekten, Kleintieren, Amphibien, Reptilien, Vögeln, einen naturnahen Garten zu schenken, damit sie den Winter überstehen und wir uns wieder darauf freuen können, was wohl alles wieder im nächsten Frühjahr kreucht und fleucht. Die Anleitungen dazu, wie Sie einen solchen «Garten Eden» gestalten können, finden Sie im Hof+ Leitfaden der IP-Suisse, einfach genial ….. oder besuchen Sie eine zweistündige Exkursion bei mir unter dem Titel «Förderung der Biodiversität im eigenen Garten» … mehr unter klettgaurhof.ch.

Und zu guter Letzt: «Gefriert im November schon das Wasser, wird der Januar umso nasser» ….

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