Wildbienen

In der Landwirtschaft übernehmen die Wildbienen einen Grossteil der Bestäubung und daher ist es äusserst wichtig und sinnvoll, diese auf dem Hofgelände entsprechend zu fördern und ihnen zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten anzubieten. Aber all das nützt natürlich nichts, wenn das Nahrungsangebot nicht in Genüge vorhanden ist. Die Wildbienen benötigen einheimische Blütenpflanzen vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein. Heuer habe ich die ersten Wildbienen schon im Februar entdeckt, aber zum Glück wurden diese auf ihrer Nahrungssuche fündig, denn bei mir blüht es bereits im späteren Winter. In meinem Natur- und Paradiesgarten kann ich ca. 350 verschiedene Sorten an Kräutern, Blütenpflanzen, Sträuchern und Kletterpflanzen, Obst- und Nadelbäumen, Beeren, Gemüse und Wasserpflanzen anbieten. Nicht mitgezählt sind die Gräser, Farne und Moose sowie eine kleine Naturwiese.

In meinem Hof+ Garten habe ich zahlreiche Strukturelemente für die Wildbienen geschaffen. Diese Elemente sollten an sonnigen Plätzchen, wind- und regengeschützt und nach Süden ausgerichtet sein. Ich kombiniere sehr gerne verschiedene Elemente miteinander, wie markhaltige Stängel z.B. vom Gewürzfenchel, dann Holz, Sand, Lehm und Ziegel. Das Holz sollte unbehandelt und möglichst aus Buche, Eiche, Esche sein falls Sie dieses für ein Bienenhotel verwenden wollen. Die Löcher, die ich zum Teil darin bohre, dürfen nicht fransen, sonst könnten sich die Wildbienen verletzen.

Sensationelle Elemente sind die Strangfalzziegel. Das sind alte Ziegel, die bereits mit kleinen Löchern versehen sind. Diese Ziegel kann ich jeweils von einem Dachdecker aus der Nachbarschaft beziehen. Ich habe einen guten Draht zu Peter und immer, wenn er wieder ein altes Gebäude umdecken muss und sich solche Ziegel darunter befinden, klingelt bei mir das Telefon: „Bruuchsch wieder Lochziegel“? Dafür backe ich ihm einen feinen Kuchen (ruft er vielleicht deswegen an? ….) und schon kann ich wieder Strangfalzziegel, zum Teil bewohnte, aufschichten. In Bälde wird ein reges Kommen und Gehen rund um diese aufgeschichteten Ziegel herum stattfinden, und das Schöne daran ist, dass man dieses Schauspiel problemlos beobachten kann, denn die Wildbienen sind friedliche Gesellen.

Ich schichte auch viel Tot- und Frischholz auf. Ich trage praktisch kein Holz von unserem Hof weg. Muss ein Baum gefällt werden, verwende ich dieses Holz zum grössten Teil für Strukturelemente, und so darf, auch der gefällte Baum, noch etliche Jahre auf unserem Hof fortbestehen, denn er hat uns ja schliesslich viele Jahre mit Obst, Schatten, Vogelgezwitscher reich beschenkt.

In unseren unversiegelten Böden und Wegen aus Mergel sind ebenfalls Nistmöglichkeiten für die Wildbienen entstanden. Schon sind wieder winzige Häufchen feinkrümeliger Erde inmitten der Wege zu entdecken, ähnlich derer der Gartenameisen, und da heisst es, Achtsamkeit üben beim Beschreiten der Wege.

Falls Sie keine unversiegelten Böden besitzen, können Sie z.B. Blumenkisten aus Eternit mit Lehm befüllen, Löcher darin bohren und die Kisten auf die Seitenwand kippen. Weiter können Sie Blumenkisten mit Sand befüllen und trocknen lassen. Beide Elemente müssen an sonnigen, trockenen Standorten aufgestellt werden.

Rund um meinen Hof+ Garten höre ich nun wieder das Summen der Bienen, die meisten darunter sind Wildbienen. Die eindrücklichste davon ist der schwarze Riese, die Holzbiene, die bis zu 30 mm lang sein kann. Die kleinste Wildbiene ist übrigens nur 2 mm lang. Die Holzbiene gilt in der Schweiz als gefährdet (Quelle BirdLife Aargau). Diese Bienen lassen sich gut erkennen mit ihrem metallschwarzen Körper und den blauschimmernden Flügeln. Zudem höre ich diese jeweils schon von weitem, denn mit ihrem tiefen Brummen sind sie unverkennbar. Diese Holzbiene nagt ihre Nester in morsches Holz und ist daher gerne an alten Baumstrünken oder dicken Holzrugeln zu finden. Wenn ich Besuchern eine Holzbiene zeigen will, muss ich Ausschau bei meinen Muskatellersalbei halten, dort treffe ich diese Riesen immer an, denn es muss wohl einer ihrer Lieblingsblüten sein, denn sie bevorzugen Lippen- und Schmetterlingsblütler.

In unserem alten Nussbaum, wo jedes Jahr in Astlöchern Vögel brüten, haben Honigbienen eines dieser Astlöcher in Beschlag genommen. Letzten Spätsommer entdeckte ich dies eher zufällig und zwar durch unsere beiden Pferde. Es fiel mir auf, dass diese sich unter dem schattenspendenden Nussbaum recht unruhig verhielten und das ist ein Grund, um nachzuschauen. Und tatsächlich, auf der wackligen Bockleiter stehend, aus respektvollem Abstand, bestaunte ich diese fleissigen Bienen. Und mit Bedauern musste ich leider in diesem schneereichen Winter zusehen, wie ein grösserer grauer Vogel, den ich nicht zuordnen konnte, dieses Nest ausräumte. Der Hunger war wohl mächtig und die gefüllten Waben zu verlockend ….. auch das gehört zum Natur- und Paradiesgarten.

Übrigens, genaue Anleitungen zu Umsetzungen finden Sie im Hof+ Leitfaden der IP-Suisse und der Vogelwarte. Darin befinden sich ausführlich beschrieben die Grundauflagen sowie die Massnahmen wie Sie Wildbienen in Ihrem Garten gezielt fördern können. Es lohnt sich, diesen Leitfaden zu studieren und wenn immer möglich, mit Freude und Überzeugung umzusetzen.

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