Freude am Garten

Am Ende meiner Gartenführungen werde ich immer wieder einmal gefragt, woher eigentlich meine Freude am Garten und meine Leidenschaft darüber stammt. Dieser Frage bin ich vertieft nachgegangen und gerne lasse ich Sie daran teilhaben.

Ich wuchs mit zwei Geschwistern ausserhalb unseres Dorfes auf. Meine Mutter bewirtschaftete einerseits einen wirklich grossen Gemüsegarten und andererseits blühte es von Frühjahr bis Spätherbst rund um unser Haus. Jeder freie Platz wurde bepflanzt und die Rosengärten waren einfach nur prachtvoll. Schon früh als Kind entdeckte ich meine Freude am Garten und ich half meiner Mutter jeweils beim Pflanzen, Säen, Unkraut jäten, Giessen. Schon bald durfte ich selber verschiedene kleine Gärtchen ganz alleine bewirtschaften. Ich verbrachte viel Zeit im Garten. Auch durfte ich eine Birke pflanzen und wenn ich jeweils traurig war, gab mir Diese Trost …. Bis dass sie zu viel Schatten auf den Garten warf und mit vielen Tränen meinerseits in unseren Wald verpflanzt wurde, wo sie übrigens heute noch steht.

Meine Mutter hatte ihre Freude am Garten wohl von ihrem Vater geerbt. Auch er hegte und pflegte einen grossen, wunderschönen Nutzgarten, mit vielen Gemüsebeeten, verschiedenen Rosen und Obstbäumen. Dieser Garten war nur durch einen 10 Meter langen dunklen, engen Tunnel zu erreichen, was für uns Kinder immer etwas unheimlich war. Trotzdem verbrachten wir immer, wenn wir zu Besuch bei meinen Grosseltern waren, Zeit im Garten, obwohl es eigentlich mein Grossvater nicht gerne sah, denn es war sein Reich und er duldete weder Unordnung noch Spielen. In diesem verwunschenen Garten gab es einfach alles, herrlich gute Pflaumen und sogar Pfirsiche. Es war ein wirklich paradiesischer Ort. Überall in den Scheunen waren Wagen voller Rosenstöcke zu finden, denn mein Grossvater pflegte diese im Auftrag eines deutschen Rosenhändlers und hie und da verschenkte er auch welche davon.

Als ich älter wurde und in die weite Welt hinauszog, vergass ich natürlich den Garten und die damit verbundenen Freuden und Arbeiten. Erst als ich selber dann, mit knapp 30 Jahren, wieder zurück in die Heimat kam, begann ich selber mit dem Bewirtschaften einer Umgebung. Da ich beruflich den ganzen Tag im Büro verbrachte und dazu noch einen längeren Arbeitsweg zurücklegte, war es für mich das Schönste, am Feierabend im eigenen Garten zu entspannen mit all den Arbeiten, die dazugehörten.

Als ich dann meinen Mann kennen lernte zog ich wieder einmal weiter, hinterliess schweren Herzens einen Rosengarten mit über 100 Stöcken und vieles mehr …. Und was meinen Sie, was wir uns wohl von unseren Hochzeitsgästen wünschten ? Geld für eine neue Umgebung. Wieder ein paar Jahre später hinterliess ich eine üppige Umgebung rund um unser Haus, alles voller Büsche, Blumen, Gemüse, liebevoll gehegt und gepflegt, denn wir siedelten 1999 um auf unser heutiges Gehöft ausserhalb des Dorfes, wo wir sesshaft geworden sind.

Und nun hiess es, wieder von vorne beginnen, denn die ganze Umgebung war ziemlich vernachlässigt, aber meine Motivation war gross, aus diesem Garten, aus diesem Gelände allmählich ein Paradies zu schaffen, denn das Schöne an einem Garten ist ja, dass er nie fertig ist … obwohl mein Mann da eine etwas andere Meinung vertritt ..… Mein Garten gibt mir Antrieb, Freude, kreatives Schaffen und vieles mehr, versuchen Sie es doch auch einmal und sei es noch so ein kleines Stück Erde. Die Grösse eines Gartens hat nichts mit dessen Schönheit zu tun, nein, es ist vielmehr das Herzen, das ernsthafte Bemühen und die Freude des Bewirtschafters.

Unsere drei Kinder verbrachten viel Zeit mit mir im Garten, auch sie durften natürlich ihre eigenen kleinen Gärtchen anlegen …… nur, jäten musste ich diese meistens selber ….. Unsere beiden Töchter zeigten wenig Interesse an ihren Gärten, aber unser Sohn umso mehr. Schon als kleiner Junge erntete er für mich voller Freude die grünen Erdbeeren, die grünen Himbeeren, die grünen und winzig kleinen Gurken ….. ich konnte ihm echt nicht böse sein. Für mich zeigte sich bald, dass auch er einen grünen Daumen hatte … woher wohl ? Sein Hauptinteresse galt allmählich den Kakteen, und das war Neuland für mich …. Und so kam es, dass wir ihm ein richtiges Treibhaus kauften und Kontakt mit dem Kakteenverein, den es glücklicherweise in unserer Nähe gab, herstellten. Die Abmachung zwischen uns war eigentlich, dass ich die Hälfte des Treibhauses für meine Tomaten, Peperoni und Auberginen bepflanzen durfte. Aber da die Kakteen ein heisses und sehr trockenes Klima lieben, verkümmerte meine Gemüse allmählich und ab dem zweiten Jahr durfte er auch meine Hälfte des Treibhauses beanspruchen……. Und siehe da, von den anfänglich wenigen Kakteen wuchs sein Sortiment auf rund 1’000 Kakteen an und die Blüten …. verzaubernd schön und samtig. Er hegte und pflegte diese mit einer grossen Leidenschaft und diese Freude konnten wir gemeinsam miteinander teilen. Suchte ich nach unserem Sohn, war er meistens in seinem Treibhaus zu finden. Mittlerweile «darf» ich noch ein Gestell voller Kakteen hüten und das Treibhaus wurde mir vererbt ….. denn unser Sohn ist schon einige Jahre von zu Hause weggezogen, pflegt aber auf seinem Stadtbalkon das «urban gardening» ….

Zurück zu mir und meiner Freude am Garten. Beim Hof+ Modul mitzumachen stand für mich ausser Frage, denn diese Leidenschaft für den Garten wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt …. Und dieses Gartenglück ist für mich ein Schlüssel zum eigenen kleinen Paradies. Denn ich nenne meinen Garten ja «Natur- und Paradiesgarten». Für mich ist es ein Ort vollkommener Zufriedenheit und Glück und ich bin mir fast sicher, dass dies auch mein Grossvater so empfunden hat, meine Mutter noch immer empfindet und hoffentlich auch unser Sohn einmal empfinden wird. Und so pflegen wir auch über Generationen zwei ganz besondere Pflanzen aus Grossvater’s Garten, Knollen und Ableger davon in Mutter’s Garten, weitere in meinem Garten …… die wunderschöne rote einfache Pfingstrose und die zartrosa Strauchrose «Centifolia» und weitere Knollen und Ableger dieser Blumen und die damit verbundenen Freuden hoffentlich auch einmal im Garten unseres Sohnes und wer weiss auch unserer Töchter …..

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