Kulturen

In dieser doch sehr herausfordernden Zeit mit Corona, mit all den Einschränkungen, dem vielen zu Hause sein möchte ich Sie erheitern mit einer ganz besonderen Kultur. Unser Beruf ist kulturell vielseitig, da gibt es Ackerbau-, Rebbau-, Christbaum-, Obst-, Garten- und Kräuterkulturen und noch einige mehr. Dann zelebrieren wir auch die Familienkultur, die Sitten und Bräuche, aber dies ist zur Zeit ja gestrichen. Eine weitere Kultur ist die Kulturgeschichte rund um unser Dorf, und es ist lohnenswert, diese zu erhalten und weiterzugeben.

In meinem Hof+Garten, Natur- und Paradiesgarten, lebendigen mit vielen Lebensräumen gestalteten Garten, Kräutergarten, biete ich ja szenische Führungen als Kräuterfrau «Minna vo Radegg» an. Die Besucher erfahren einiges über essbare Blumen und die Kräuterküche, über die Symbole der Blumenkinder, aber auch über die Biodiversität, und in all dem ist eben ein Stück regionaler Kulturgeschichte verpackt. Und genau dies verbinde ich mit all den erwähnten Kulturen, baue Brücken zwischen Stadt und Land, zwischen Konsument und Produzent und kann in der Tat viele Besucher für unsere Produkte sensibilisieren, für das Regionale und Saisonale. Daher sollten wir alle, die Landwirtschaft betreiben, unsere Türen weit öffnen und die Möglichkeit nutzen den Hofbesuchern wichtige Botschaften zu vermitteln.

Unweit unseres Dorfes liegt die heutige Ruine Radegg, hoch über dem Wangental. Dort lebte ich einst als Kräuterfrau «Minna vo Radegg». Die Blüte der Ritterzeit war vergangen und viele verarmten. Das Ritterpaar hatte schon sieben Söhne, als die Burgfrau nochmals schwanger wurde. Die liebreiche Frau gebar dem herrschsüchtigen Ritter noch ein Töchterchen, das Kätterli. Sie selbst starb im Kindsbett und so erzog ich, die Kräuterfrau, das Kätterli zusammen mit der Magd Gertrud im Glauben an die Nächstenliebe.

 

Der Burgherr und seine Söhne verrohten ohne den Einfluss der gutherzigen Gattin. Die Bauern wurden geplagt, mit harten Steuern und Frondienst belastet und Reisende durch das Wangental wurden überfallen und beraubt. Durch die guten Erfahrungen mit ihrer Ersatzmutter war das Kätterli den Menschen zugetan und es tat Gutes wo es nur konnte.

Einmal geriet diesen Brüdern ein goldener Vogel in die Fänge. Ein Adeliger aus dem Süden wurde mit seinem Diener auf seiner Durchreise gefangen. Nur gegen ein hohes Lösegeld versprach man ihm Leben und Freiheit. Während der Diener nach Süden ritt um die hohe Geldsumme zu holen, wurde der Adelige auf der Burg Radegg im Kerker gefangen gehalten wo Kätterli ihn pflegte. Zarte Bande inniger Liebe zwischen Kätterli und dem Gefangenen fanden hier ihren Anfang.

 

Als dann endlich der Diener seinen Herrn durch das Lösegeld befreite, wollte der italienische Edelmann Kätterli mitnehmen. Es war eine schicksalsschwere Entscheidung. Die tiefe Liebe wurde verdrängt und Kätterli entschied sich für die Menschen um sie herum und liess den Edelmann schweren Herzens ziehen.

 

Immer und immer wieder erhielt Kätterli Grüsse aus dem Süden, überbracht vom treuen Diener, in der Hoffnung, dass sie sich doch noch für die Liebe entscheiden würde. Wunderschöne seltene Pflanzen, die Kätterli allesamt unter Tränen an stillen und verborgenen Orten an der Radeggerhalde pflanzte. Darunter befand sich auch eine blaue Rose.

 

Der Grimm der Dorfbevölkerung gegen die Radeggerherrschaft wurde so gross, dass die Burg eines Tages erstürmt und niedergebrannt wurde. Zu spät kam es der wütenden Bevölkerung in den Sinn, das Kätterli zu retten und es fand in den lodernden Flammen den Tod.

Ich konnte natürlich nicht mehr auf der niedergebrannten Radegg bleiben und zum Glück erbarmte sich mir ein gutherziger aber scheuer Bauer und nahm mich als seine Magd, aber nur am Anfang, ich musste mit etwas aphrodisierenden Kräutern nachhelfen, auf seinem Gehöft auf ….. …. und so kam es, dass ich über all die vielen Jahre Blumen und Kräuter an der Radeggerhalde sammelte und auf unserem Gehöft aussäte, denn so lebt bis heute die Erinnerung an einen ganz besonderen Menschen in meinem Herzen weiter, die Erinnerung an Kätterli vo Radegg  ……

 

Kätterli’s Entscheid war gegen ihr Leben. Daher findet auch ihre Seele keine Ruhe. Als weisser Schleier in hellen Mondnächten erscheint sie jeweils den Menschen auf der Ruine Radegg, von dem einen sie sich verspricht, erlöst zu werden, mit einer blauen Rose ….. (blau bedeutet Sehnsucht, Ferne und Romantik).

Ja, diese traurig schöne Geschichte, die jeweils die Herzen meiner Besucherinnen und Besucher zutiefst berühren mag, erzähle ich nebenbei während meiner Führung, zusammen mit den entsprechenden Kräutern natürlich. Wenn die Burgfrau im Kindsbett stirbt, stehe ich beim Wiesenknopf, der leider die Blutungen nicht mehr stillen konnte. Erzähle ich von Ritter Dietmar, der ja gerne über seinen Durst getrunken hat, stehe ich bei den Kräutern gegen üble Kopfschmerzen, die ihn natürlich plagten, und wenn ich von der Magd Gertrud erzähle, die sich sehnlichst ein Kind wünschte und dies einfach nicht klappen wollte, nehme ich den Liebstöckel zur Hand …..bei der Liebe schneide ich eine tiefrote Rose ab und beim Liebesschmerz verweile ich beim Johanniskraut …… ja, Liebe und Schmerz stehen sehr nahe beieinander und schon bin ich bei Magd Gertrud, die mich wieder einmal aufsuchte um zu fragen, ob ich vielleicht ein Kräutchen kenne, um festzustellen, ob sie in guter Hoffnung sei …..

Versteht man oder Frau verschiedene Kulturen, lassen sich damit in der Tat viele Brücken bauen. Und diese Brücken, diese Verbindung verschiedener Kulturen auf unserem Gehöft, in meinem Natur- und Paradiesgarten, lebe und vermittle ich seit Jahren.

Übrigens, sind Sie gwundrig und möchten den Namen des einen aphrodisierenden Kräutleins erfahren ? Oder erkennen Sie dieses vielleicht auf der Abbildung ? Wenn nicht, dann greifen Sie in die Tasten ….. oder noch besser, kommen Sie vorbei ….

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