Nistplätze schaffen für Schleiereulen und Turmfalken

Schleiereulen und Turmfalken sind potenziell gefährdet und stehen auf der roten Liste, da es vielerorts an geeigneten Nistplätzen mangelt. Darum benötigen diese zunehmend Nisthilfen, und wo wären diese nicht besser geeignet als auf einem Bauernhof? Denn dort gibt es ungestörte Stellen und offene Scheunen anzubieten.

Die Schleiereule mit ihrem herzförmigen Gesichtsschleier ist eine perfekte Jägerin in der Nacht. Sie ortet ihre Beute mit dem Gehör und fliegt zielsicher und lautlos durch die finstere Nacht. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Mäusen und auch aus Vögeln. Sie benötigt eine offene und halboffene Landschaft und ist überwiegend ein Standvogel.

Der Turmfalke ist vor allem bekannt für seine Jagdweise. Er verharrt dank dem Rüttelflug und dem breit gefächerten Schwanz an der gleichen Stelle um nach Mäusen Ausschau zu halten. Er ernährt sich vorwiegend von Kleinsäugern wie Mäusen, dann jagt er Vögel wie auch Insekten. Er ist ein Standvogel und seine Brutorte sind Gebäude, Bäume und Felsnischen. Der Turmfalke benötigt ebenfalls eine offene und halboffene Landschaft.

Auf unserem Bauernhof haben wir diese Nisthilfen geschaffen in Form von speziellen Kästen, schon lange, und es gibt in der Tat nichts oder fast nichts Spannenderes, als einer Schulklasse oder anderen Interessierten zu zeigen, wie Jungvögel gewogen und beringt werden. Die Schleiereulen sind tagsüber so müde, dass sie problemlos aus dem Kasten genommen werden können, aber Achtung, es braucht ein gerüttelt Mass an Überwindung, denn es riecht penetrant und Geruchsempfindliche stossen wohl an ihre Grenzen. Auch das sogenannte „Gwöll“ ist vor allem rund um den Kasten am Boden zu finden. Das ist nicht-verdaubares Futter, das sie wieder ausspucken und darin sind viele Mäuseknochen zu finden. Auch finde ich immer wieder wunderschöne Federn, die ich dann an Kinder verschenke. Eine ausgewachsene Schleiereule benötigt pro Nacht ca. 6 bis 7 Mäuse. In unserem Kasten schlüpfen jedes Jahr so zwischen 5 und 7 Jungvögel, je nach Futterangebot. Was wir allerdings in Kauf nehmen müssen sind die stark riechenden weissen verschmierten unappetitlichen Ausscheidungen an Toren, Fassaden und Böden.

Bei den Turmfalken ist es so, dass sie schon einige Jahre nicht mehr bei uns brüten, warum wissen wir nicht. Sie übernachten allerdings bei uns auf den Firstbalken und tagsüber sind sie rund um den Hof anzutreffen, denn die Beute ist ihnen sicher, die Beute nach jungen unerfahrenen Vögeln, seien dies Spatzen, Rotschwänzchen, Schwalben, Meisen und viele mehr. Denn unser Hof ist ein Paradies für zahlreiche Vogelarten.

Unermüdlich höre ich jeweils den Warnruf unseres Hausrotschwanzes, um die Jungvögel vor dem Turmfalken oder auch vor unseren Hauskatzen zu schützen. Auch konnte ich schon beobachten, wie ein Turmfalke einen Jungvogel in seinen Fängen hielt …. und da ich ein grosses Herz habe, tat mir dies natürlich leid für das Vögelchen …. Aber ich weiss natürlich, dass dies zur „gelebten Biodiversität“ dazugehört …..

Ja, als wir vor gut 20 Jahren auf unseren Hof ausserhalb des Dorfes umgezogen sind, waren uns die Schleiereulen und Turmfalken völlig unbekannt. Das Kreischen der Eulen in der Nacht, daran mussten wir uns alle zuerst gewöhnen, denn anfänglich konnten wir dies nicht zuordnen, und es war eher unheimlich so ähnlich wie „quietschende Türen in der Nacht“, und wer weiss, wohl auch abschreckend für vielleicht unliebsame Besucher ?

Und heute? Heute kreist einer unserer Turmfalken täglich laut schreiend, rabiat und herrschsüchtig (ich dachte nicht, dass es dies auch bei den Vögeln gibt) in der Abenddämmerung rund um unseren Hof, immer und immer wieder, wohl um seine Anwesenheit zu markieren und seinen Firstbalken zu verteidigen? Und wissen Sie was? Unter genau diesem Firstbalken steht mein langjähriger zwei Meter hoher Rosmarin, der natürlich von den weissen Schmierereien nicht verschont bleibt. Der andere Turmfalke setzt sich nieder auf einen der beiden Fledermauskästen, und aus diesem Grunde blieben diese wahrscheinlich auch unbewohnt und nach wie vor irgendwo in unseren Scheunen, mit perfekter Sicht auf unsere Hofeinfahrt, will er uns wohl beschützen? Und sollte ich das nächtliche Kreischen der Schleiereulen eine Zeitlang nicht mehr wahrnehmen, würde ich mir sofort Sorgen machen, Sorgen um unsere Schleiereulen …

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.