Was machen denn diese Äste da?

In der Altjahrswoche beginnen bei uns immer die Arbeiten im Holz. Letztes Jahr mussten wir vom Borkenkäfer befallene Tannen und zwei Wochen später auch noch Sturmholz mit Hilfe von Seilwinde und Traktor aus dem Wald schaffen. Dieses Jahr steht keine Arbeit im Wald an, sondern das Auslichten einer Weide und die alljährliche Baumpflege. Ihr erfahrt unteranderem, was uns bei der Baumpflege dieses Jahr besondere Freude bereitet und welchen Zusammenhang die im Moment ausgeführten Arbeiten mit Förderung der Biodiversität haben. Und warum bei so manchem Spaziergang in ländlichem Raum gestapelte Äste zu sehen sind.

Ran an Kettensäge, Baumschere und Handsäge…

Die Arbeit im Holz ist bei uns Männersache. In der Altjahrswoche haben mein Mann, der Schwiegervater und der Schwager zusammen Zeit, sich den Stauden, Dornenranken und Bäumen zu widmen. Unsere Weide, welche zunehmend dem Schattenwurf der Hecke ausgesetzt ist, liegt angrenzend an das private Grundstück eines Nachbarn. Das Graswachstum wird wegen dem Schattenwurf beeinträchtigt und der Boden trocknet nur sehr langsam ab. Mit dem Einverständnis des Nachbarn dürfen wir diese nun Zurückschneiden und das anfallende Holz als Entschädigung für den entstanden Aufwand, selber nutzen.

In den vergangenen Jahren sind Dornen in die Höhe gewachsen und mittlerweile stehen einige wildgewachsene Buchen und hohe Studen. Während einer Woche werden nun Buchen gefällt und alles zurückgeschnitten was viel Schatten wirft. Das Wetter zwar garstig mit Schneefall. Doch optimal den der Boden friert oberflächlich. So können die Äste und Baumstämme ohne gross Schaden am Boden anzurichten an unseren Holzplatz gebracht werden. Bevor die Maschinen zum Transport der Äste und Baumstämme eingesetzt werden können, ist Muskelkraft gefragt. Die Äste der Stauden und Bäume werden alle zu einem grossen Haufen zusammengetragen.

Asthaufen – Ein kleiner Teil für ein gut funktionierendes Ökosystem auf dem Hof

Es ist nicht sehr viel Holz welches weiterverarbeitet werden kann. Das meiste, dass anfällt sind die Äste von den grossgewachsenen Sträuchern und Buchen. Diese werden für das Anlegen oder Auffrischen eines Asthaufens genutzt. Ein Asthaufen dient Insekten als Nistplast oder Igeln als Unterschlupf. Das Schaffen von Lebensräumen für Klein- und Kleinstlebewesen gehört zu den Anforderungen an einen, unter den Richtlinien der IP-Suisse geführten, Betrieb. Das Anlegen eines Asthaufens ist eine Möglichkeit dafür. Jährlich wird die Einhaltung der geforderten Kriterien für die Förderung der Biodiversität überprüft. Es gibt eine Liste mit Massnahmen zur Förderung der Biodiversität und des Ressourcenschutzes.

Um diese Kriterien zu erfüllen benötigt es viel Pflege dieser Kleinstrukturen und der Ökologischen Ausgleichsflächen. Der Aufwand für diese Arbeit wird uns mit einem Anteil der Direktzahlungen abgegolten. Unser Lohn für die Arbeit an Hecken, Krautsaum Waldrändern, Bäumen oder Wiesen mit grosser Artenvielfalt. Ein weiteres Element welches wir pflegen sind Steinhaufen. Ein Unterschlupf für Käfer, Blindschleichen und Eidechsen.

Zurück zum Verarbeiten der gefällten Buchen. Die Baumstämme werden so eingezeichnet, dass 1m lage Stücke mit der Kettensäge abgetrennt werden können. Diese werden dann mit einem vom Nachbarn gemieteten Spaltmaschine so oft gespallten, bis gut stapelbare Scheite entstehen. Nun ist nochmals alle Männer – und Frauenpower gefragt. Das Holz wird zu einer Holzbeige gestapelt. Und so schliesst sich der Kreis zum Thema Biodiversität. Auch aufgeschichtetes gespaltenes Holz gibt unzähligen Kleistlebewesen und Wildbienen einen Lebensraum.

Unsere Obstbäume – wer Ernten will muss pflegen

Jedes Jahr vor dem Treiben der Äste werden unsere Obst- und Hochstammbäume geschnitten. Der Schnitt dient dazu, dass die Äste dorthin wachsen, wo wir sie haben wollen. Wilde und zu schnell gewachsene Triebe werden abgeschnitten. Jeder im Frühjahr blühende Ast soll genügend Licht haben, damit die Früchte reifen können. Der Baum soll eine schöne Kronenform erhalten. Mit dem Schnitt kann die Höhe der Bäume bestimmt werden. Unsere Zwetschgenbäume in Gartennähe halten wir etwas niedriger, da das Ernten der Früchte etwas einfacher ist. Wird der Ast richtig geschnitten, so regt dies den Baum an, nach dem Schnitt so zu treiben, dass blühende Triebe wachsen.

Besondere Aufmerksamkeit bekommen unsere im letzten Frühjahr gepflanzten Jungbäume. Bei ihnen können wir mit dem Schnitt das Wachstum der Leitäste bestimmen, und so zu einer schönen Kronenbildung beitragen.

Das Zusammentragen der herumliegenden Äste (Chnebele) ist eine Arbeit für Gross und Klein. Unser dreijähriger Sohn hilft eifrig mit. Als Highlight, darf er dann im Traktor zusammen mit Grospapi, die Äste zur Hecke fahren. Dort werden bestehende Asthaufen wieder neu aufgestockt.

Schöne Überraschung im Haus der Baumbewohner

Im selben Arbeitsgang wie der Rückschnitt der Bäume erledigt mein Mann die Kontrolle der Nistkästen. Diese sind mit einem Obstbaumdraht am Baumstamm fixiert. Beim letztjährigen Wintersturm, wurden viele Nistkästen beschädigt oder zerstört. Wir haben diese ersetzt und gleich noch ein paar weitere angebracht. Das Reinigen der Nistkästen sollte jedes Jahr bevor die Vögel wieder Nistgelegenheiten suchen, gereinigt werden. Das Nest der letztjährigen Bewohner wird entfernt. Dies um einem Befall mit Parasiten vorzubeugen und den Nistplatz für alle wieder attraktiv zu machen.  Der Lohn für die Arbeit an den Nistkästen und das Klettern auf der Leiter erfolgt diesen Frühling. In jedem einzelnen Nistkasten kam ein Nest zum Vorschein. Nun hoffen wir, dass die vielen kleinen Häuschen auch diesen Frühling rege für den Nestbau benutzt werden.

Wir hoffen euch mit diesem Beitrag einen kleinen Einblick in einen Teil, der landwirtschaftlichen Arbeit gegeben zu haben, der nicht immer augenscheinlich ist oder in der Medienwelt beschrieben wird.

Im nächsten Blog werdet ihr sehen, was aus Ästen von geschnittenen Bäumen sonst noch alles entstehen kann.

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